Lass es dir gut gehen!

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Unser Inspire Projekt in Chemnitz

Wir leben im ‘Zeitalter des Narzissmus’. Mit Facebook, Twitter und Co ist die Selbstinszenierung des eigenen Lebens fast jedem ermöglicht. Jede hat nun die Möglichkeit, ihre sprichwörtlichen 15 Minuten (bzw. 160 Zeichen) der Berühmtheit zu genießen. Youtuber werden Superstars und jeder (auch dieser!) Blogger guckt ganz genau auf die Statistiken seines Blogs und hofft, dass sein Post von noch mehr Leute gelesen wird. Wie das Lied sagt: Die ganze Welt dreht sich um mich. Wir sind der Mittelpunkt. Es geht um uns –  me, myself, my! Mir muss es gut gehen.

Ist dieser Entwicklung vielleicht einer der Gründe, warum viele Partnerschaften heute scheitern? Zwei können nicht Mittelpunkt sein, nur einer, und der muss ich sein. Oder?  Könnte es sein, dass dies vielleicht auch ein Grund ist, warum die Geburtsrate so niedrig ist? Kinder stören. Sie verlangen zu viel Aufmerksamkeit – Aufmerksamkeit, die ich lieber für mich hätte. Oder?

Vielleicht liege ich völlig falsch. Oder vielleicht sind wir einfach zu selbstverliebt? Der Narzissmus des heutigen Lebens sagt laut und deutlich: “Uns muss es gut gehen!”

Muss es?! Und was heißt “gut gehen”? Wie sieht so etwas aus?

Ich habe meine eigene Antworten zu diesen Fragen auf meiner Pilgerreise wieder bestätigt bekommen. Ich war auf den Spuren einiger keltischen Mönche, die durch den Chaos des frühmittelalterlichen Europas wanderten. Diese Mönche haben den Komfort und die Sicherheit ihres Klosters in Irland verlassen, um die christliche Botschaft von Gottes Liebe nach Europa zu bringen. Diese Geistlichen waren nicht in sich selbst verliebt, sondern waren mit Gottesliebe und Nächstenliebe erfüllt.

Columban und seine Jünger verstanden sich sogar als Märtyrer. Und es stimmt, einige von ihnen sind tatsächlich wegen ihres Glaubens ums Leben gekommen. Aber in der keltischen Spiritualität gibt es drei verschiedene Arten von Martyrium. Da es in Irland keine Christenverfolgung gab, waren die irischen Christen irgendwie genervt, dass es für sie keine Möglichkeit des Martyriums gab. Deswegen haben sie welche erfunden: rotes, weißes oder grünes Martyrium. Sterben durch Verfolgung war das ’normale und bekannte Martyrium (rot). Wer sich von der Welt zurückzog und das asketische Leben in der Stille und Einfachheit der Natur verbrachte, hat das grüne Martyrium erlebt. Und wer das für einen Iren Allerschwerste tat – nämlich Irland als Missionar verlassen – der hat das weiße Martyrium gelitten.

Verrückt, oder? Für manche schon!  Ich meine, wer würde freiwillig als Märtyrer sozusagen ’sterben’ wollen? Wer würde überhaupt auf die Idee kommen, neue Arten von Martyrium zu erfinden?! (Nur die Iren 😉 ) Wer will sich aufopfern? Es muss uns doch gut gehen! Das ist die Mantra der Gesellschaft heute.

Gottes Wege sind aber nicht unsere Wege. Seine Gedanken sind höher als unsere. Die Logik des christlichen Glaubens widerspricht der Philosophie der narzisstischen Welt. Die christliche Botschaft lehrt uns, dass gerade im Geben … im Sich-Opfern… im sozusagen ‘Sich-Selbst-Sterben’ wird es uns gut gehen. Der Apostle Paulus formuliert es so:”Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.”(Phil.1,21) Unglaublich, oder? Noch mehr so, wenn man bedenkt, dass  er diese Worte schreibt, als er in einem römischen Gefängnis in Ketten liegt, kurz vor seinem Martyrium-Tod.

Und das Verrückte dabei – ihm ging es gut.

Blessings,
Barry

P.S. Herzliche Einladung zu einem besonderen Abend in Berlin, wo ich von meinem Buch lese und mit meiner Band wunderschöne irische Lieder singe. Eintritt frei. What more do you want? 😉

 

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3 Gedanken zu „Lass es dir gut gehen!

  • 10. September 2014 um 22:25
    Permalink

    Vielen Dank für den netten irischen Abend in Berlin. Gibt es Eure irischen folk songs auchvauf CD?

    Antwort
    • 11. September 2014 um 11:35
      Permalink

      Noch nicht, Anke. Wir arbeiten aber dran. Liebe Grüße.

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