Tue etwas, was dir Angst macht

Freitag ist Halloween. Ja auch wenn der 31. Oktober Reformationstag ist, ist Halloween – dank(?) dem US-amerikanischen Einfluss – wichtiger hier in Deutschland geworden. In Läden, Supermärkten und im Fernsehen sind Geister, Hexen, Vampire und  andere Gruselfiguren überall zu sehen. Offensichtlich mögen wir Menschen es, wenn wir ein wenig Schiss bekommen.

Warum feiert inzwischen jeder Fünfte in Deutschland Halloween? Liegt es hauptsächlich an gutem Marketing? Die Umsätze steigen – Kommerz ist König! Oder hat es schlicht und einfach damit zu tun, dass die Menschen schon wieder einen Grund benötigen, um der Routine ihres Alltags zu entfliehen? Ihr Leben könnte ein bissel mehr Spannung und Fantasie vertragen. Ja, vielleicht sogar Angst!

do scareyLetzte Woche habe ich einen interessanten Zitat gelesen, der zu diesem Thema ganz gut passt. Der Spruch hat mich gleich angesprochen: “Do one thing every day that scares you.” (“Tue etwas jeden Tag, was dir Angst macht.”) Der Spruch hat nichts mit Halloween zu tun. Es geht hier auch nicht um anderen Leuten Angst machen. Nein, ich verstehe den Spruch als Ermutigung bzw. Herausforderung, mein Komfort-Zone zu verlassen und etwas Neues ausprobieren. Es geht für mich ein Stück um das Leben leben. Manchmal brauche ich einfach diesen Schubs. Es ist immer einfacher, auf eine Nummer sicher zu gehen. Nichts riskieren. Nichts anfangen, falls es nicht gelingt. Aber, als der kreative Geist Gottes seinen Atem in unser Leben eingehaucht hat, war es nicht nur damit wir existieren, sondern damit wir auch wirklich leben! (Joh. 10,10) Deswegen möchte ich den Mut haben, immer wieder mein Komfort-Zone zu verlassen, auch wenn es mir manchmal Angst macht. Natürlich will ich mir genau überlegen, warum ich eine bestimmte Sache mache. Das Ziel ist nicht Angsthaben – das wäre wirklich blöd. Nein, ich will schauen wie ich als Mensch wachsen und gedeihen kann. Wo kann ich mehr Gottvertrauen gewinnen? Vielleicht entdecke ich neue Gaben in mir und neue Erkenntnisse über mich? Vielleicht lerne ich dadurch neue Leute kennen oder ich kann neue Erfahrungen sammeln. Bestimmt gibt es dabei auch neuen Stoff für einen Blogeintrag ;-)

Wer von euch möchte mitmachen? Tue etwas, was dir Angst macht. Lebe deine Träume (nicht umgekehrt). Wie könnte das aussehen? Hier einige Beispiele:

– gehe zur Aerobic-Klasse

– schreibe ein Buch

– besuche einen Gottesdienst

– lade jemanden (du weißt, wen ich meine) zum Kaffeetrinken ein

– lerne Gitarre-Spielen

– beginne einen Kurs in der Volkshochschule

– gründe eine Firma

– schwimme gegen den Strom

– sag nein

– sag ja

– sag deinem Partner genau wie du dich fühlst

– spendiere ein Zehntel deines Einkommens an Menschen in Not

– starte eine Nachhilfegruppe für Schüler, die benachteiligt sind

– think outside the box

– hinterfrage die Art und Weise wie wir Kirche gestalten

 

Also, dieses Jahr zu Halloween können wir unseren eigenen persönlichen Reformationstag erleben, in dem wir eine Entscheidung treffen, unser Komfort-Zone zu verlassen. Wollen wir etwas tun, das uns Angst macht? Es muss aber nicht unbedingt jeden Tag sein. Zu viel Schiss ist auch nicht gut ;-)

 

Blessings,

Barry

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Glaube und Kultur

coke nativity

Bild Quelle unbekannt

Als ich von Nordirland nach Deutschland umgezogen bin, war mir fast alles in Deutschland neu und fremd …und spannend.

Ich habe natürlich Deutsch lernen müssen, das war klar. Aber es gehört so viel mehr dazu, wenn es darum geht, in einem neuen Land richtig anzukommen. Die Mentalität, die Traditionen und Sitten, die Denkweise der Menschen, die Geschichte, die Riten, das monetäre System, der Humor, das Liedgut, die Feiertage, Schulanfang, Jugendweihe, die Politik, Wintersportarten, die Autobahn, das Fernsehen, der Gottesdienstablauf, das Gesundheitssystem, das Bier, die Literatur, Schneeschippen, Skifahren, Winterräder, Mülltrennung, links-fahren, Sauna, FKK, Silvester, Hausschuhe, Weltmeister, Wetter und, und, und… Auch wenn ich Bürger des “United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland” bleibe, habe ich mich immer bemüht, mich hier in meiner neuen Heimat, mit ihrer für mich neuen Kultur, anzupassen. Das muss sein, finde ich.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es heutzutage für viele Menschen ‘fremd’ ist, sonntags in die Kirche zu gehen. Vielleicht wurden sie nie christlich erzogen und haben nie einen Bezug zur Kirche gehabt. Oder vielleicht gingen sie als Kind zu Weihnachten in die Kirche, aber das seit Jahren auch nicht mehr. Kirche und Gottesdienstbesuch sind heute für viele nicht (mehr) Teil des Sonntags. Ich denke, wenn jemand, der nicht kirchlich sozialisiert ist, sich entscheidet, in die Kirche zu gehen, ist es fast wie ein Umzug ins Ausland. In vieler Hinsicht ist es, als ob sie ein neues Land besuchen, wo vieles – wenn nicht alles – fremd ist. So wie ich Kirchengemeinden kenne, werden diese neuen Gottesdienstbesucher eine neue und fremde Kultur entdecken. Sie werden herausgefordert, eine neue Sprache zu lernen. Vielleicht auch die Musik und das Liedgut. Die Riten und Traditionen sind auch hier in ‘Kirchenwelt’ anders. Dinge laufen anders ab, als im ‘wirklichen’ Leben. Alles ist Neuland.

Die Frage aber ist: sollte man sich bemühen müssen, sich hier in dieser neuen kirchlichen Glaubenswelt anzupassen? Ein Teil von mir sagt, ‘Ja, klar!’. Ich lebe in Deutschland. Es gibt eine deutsche Kultur, eine deutsche Sprache, eine ‘deutsche’ Lebensweise. Als Gast in diesem Land berücksichtige ich dies alles und passe mich an, so weit ich kann. Und genau so sollen diejenigen es auch tun, die als Gäste ins Neuland des Gottesdienstes kommen. Gewöhn’ dich daran. Anpassen!

Auf der anderen Seite frage ich mich, ob das so richtig ist. Ich meine, im extremsten Fall könnte man den Kirchengemeinden heute eine Art Neu-Kolonialismus vorwerfen. So wie damals die alten Missionare der Kolonien in Afrika nicht nur ihren Glauben, sondern auch ihre Kultur, weitergegeben haben, geben wir (unbewusst / unabsichtlich?) auch unsere Kirchenkultur mit dem Glauben weiter! Wir erwarten, dass Neueinsteiger sich mit unserer Kirchenkultur schnell anfreunden, wenn sie sich bei uns wohl fühlen wollen.

Der christliche Glaube hat sich immer in die Kultur seines Kontextes vor Ort niedergelassen. So wie Gott als Kind in der Krippe in unsere Welt hineingeboren wurde, wird der christliche Glaube immer wieder in die ganz verschiedenen kulturellen Welten der Menschheit hineingeboren. Eine tolle Sache! Es gibt dabei nur ein Problem. Christen stehen immer wieder in der Gefahr, ihren Glauben und die Kultur, in der dieser Glaube gelebt wird, gleich zu stellen. Beide sind wichtig und müssen respektiert werden. Nur von einem davon aber sind Christen berufen weiterzugeben.

Können wir unseren Glauben an unsere Mitmenschen weitergeben, ohne gleich zu erwarten, dass sie auch unsere (kirchliche) Kultur übernehmen müssen? Müssen Neueinsteiger sich anpassen? Wenn ja, wie weit? Und wo ist Kirchenkultur Hindernis zum Glauben?

Spannende Fragen. Was denkt ihr?

 

Blessings,

Barry

P.S. Hier bin ich ‘On Tour’ mit Lesungen aus meinem Buch. Herzliche Einladung!

 

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Tolle Antworten. Falsche Fragen?

Ich habe nur eine meiner schriftlichen Prüfungen im theologischen Seminar nicht bestanden. Es war im ersten Jahr meines Studiums und das Fach war Kirchengeschichte, genauer gesagt, die Gesichte der Frühkirche. Es waren nur 3 Fragen bei der Prüfung und als ich sie gelesen habe, habe ich mich besonders über Frage Nummer 1 gefreut. Es handelte sich um die Verfolgung der Christen im 1. Jahrhundert, und da kannte ich mich aus.IMG_4643Perfekt – dachte ich.

Bei meiner Vorbereitungen für diese schriftliche Prüfung habe ich viel Zeit in dieses Thema investiert. Ich hatte geahnt, dass es kommen würde und kannte mich mit allen Verfolgungen sogar der ersten drei Jahrhunderten der Kirchengeschichte bestens aus. Ich werde diese Prüfung mit links bestehen – dachte ich. Ich fing an, Frage Nr. 1 zu antworten. Ich habe alles aufgeschrieben, was mir einfiel, aber – und es ist ein entscheidendes ‘aber’ – ich habe vergessen, mich nur auf die Verfolgungen des ersten Jahrhunderts zu beschränken. Ich war so fleißig am Schreiben, dass ich sehr viel über die Verfolgungen des 2. und 3. Jahrhunderts berichtet habe. Alles schön und gut, aber ich habe die richtige Frage nicht geantwortet! Mein Lehrer wollte nichts über die Verfolgungen des 2. und 3. Jahrhunderts wissen. Ich habe fälschlicherweise eine völlig andere Frage geantwortet. Ich glaube ich habe eine gute Antwort geschrieben…. nur …eine gute Antwort auf eine andere Frage!

In einem Vortrag bei TEDGlobal 2014 hat Alejandro Aravena gesagt: “You need to find the right question. There is nothing worse than answering the wrong question well.” (Man muss die richtige Frage finden. Nichts ist schlimmer, als eine tolle Antwort auf die falsche Frage zu geben.)

Nicht nur bei einer schriftlichen Prüfung wahr, sondern im ganzen Leben.

Hast du die richtige Frage im Leben gefunden? Hat deine Kirchengemeinde die richtige Frage gefunden? Wie viel Zeit verschwenden wir mit ‘falschen’ Fragen? Wie oft sind wir so beschäftigt, eine ‘tolle’ Antwort zu schreiben, dass wir gar nicht merken, dass wir die eigentlichen Fragen nicht beantworten? Und wie viele Menschen haben sich ihr ganzes Leben lang mit den falschen Fragen beschäftigt? Tolle Antworten, aber die falschen Fragen. Leider.

Also, setz’ dich hin, und nimm dir Zeit, deine Frage zu finden.

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Falscher Freund, oder Anam Cara?

Deutsch ist eine schwierige Sprache zu lernen, auch wenn sogar die Kinder hier es können.

Ich habe in einer tollen Sprachschule in Bochum deutsch gelernt. Ich wusste, dass ich meine deutschsprachige Arbeit als Gemeindepastor in Chemnitz direkt nach meiner Zeit in dieser Schule beginnen würde. Das heißt, ich musste bis dahin deutsch können, aber schnell! Auf gar keinen Fall wollte ich in einem sensiblen seelsorgerischen Gespräch mit einem meiner Gemeindeglieder sein, wo ich aber nix verstehe (Ich meine sprachlich nicht verstehen – es gibt immer noch Dinge, die ich nie verstehen werdeIMG_2705, obwohl ich jedes Wort verstehe). Nein, solche Situationen wollte ich vermeiden. Jeder weiß, dass “Wie bitte?” in solchen seelsorgerischen Augenblicken nicht besonders hilfreich ist! Also, habe ich stundenlang gelernt und gebüffelt – außer während der WM, wo ich fast alle Spiele mit dem Hausmeister der Schule angeschaut habe, aber nur um mein Wortschatz zu erweitern #Schiri.

In der Sprachschule habe ich ziemlich viele falsche Freunde kennengelernt. Es geht hier nicht um irgendwelchen fraglichen Typen, die ich in der Sprachschule getroffen habe – von ihnen werde ich in einem späteren Blog erzählen. Nein, es handelt sich hier um interlinguale falsche Freunde. Das heißt, zwei Worte aus zwei Sprachen,  die ähnlich sind, aber völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Das Beispiel, das mir am besten gefällt ist das Wort ‘Gift’. Dieses Wort gibt es sowohl auf deutsch als auch auf englisch. Sie haben aber unterschiedliche Bedeutungen. Das englische ‘Gift’ zu bekommen, ist schön, gar nicht gefährlich, weil auf englisch ‘Gift’ ein ‘Geschenk’ ist. Noch ein Beispiel? Das deutsche Wort ‘bekommen’ ist ein falscher Freund, weil es auf englisch nicht ‘become’ (werden) bedeutet, wie man vermuten würde, sondern ‘receive’. Noch ein letzter falscher Freund: ‘Gymnasium’. Auf englisch ist ein Gymnasium eine Sporthalle bzw. eine Fitnessstudio. Und es gibt viele andere falsche Freunde, die meinem Leben hier in Deutschland schwer machen – ‘Chef’ bringt mich immer wieder durcheinander, weil wir in Irland das Wort ‘Chef’ für ‘Koch’ benützen! (Übrigens ‘der’, ‘die’, und ‘das’ finde ich auch nicht besonders freundlich – dafür aber müsst ihr Deutsche mit der Aussprache unseres englischen Wortes ‘the’ kämpfen – also, wir sind quitt.

Ein anam cara ist aber kein falscher Freund. Das Wort stammt aus dem Gallischen und bedeutet “Seelenfreund”. In der keltischen Spiritualität hatte jeder Mönch seinen anam cara. Ein Mentor, eine geistliche Begleitperson, mit der man über alles reden könnte. Jemand, der es gut mit dir meint. Jemand, der auch bereit ist, dir das Unangenehme zu sagen, wenn es sein muss. Der anamcara verwirrt nicht. Er führt dich nicht auf falsche Wege. Er bringt dich nicht durcheinander. Er teilt sein Leben mit dir und ist einverstanden, dass du deine Lasten mit ihm teilst.

Falsche Freunde gibt es überall im Leben. Aber ein anam cara, ein Seelenfreund, ist ein Geschenk Gottes, a gift …kein ‘Gift’.

Blessings

Barry

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Grüß Gott!

Eines Abends bin ich Jesus begegnet – aber ich habe ihn nicht erkannt. Es war spät geworden, meine Frau und ich hatten Besuch gehabt und unsere Gäste waren gerade nach Hause gegangen. Wir wollten gerade zu Bett gehen, als es an unserer Haustür klingelte.Wir sahen uns an:

,,Wer kann das sein, so spät?”
Ich ging zur Tür und dann sah ich ihn. Er lächelte mir durch das Türfenster zu – Jesus, meine ich… aber ich habe ihn nicht erkannt.

,,Guten Abend”, sagte er, ,,ich habe eine Frage. Hätten Sie vielleicht ein Bett für mich über Nacht? Ich habe den letzten Zug verpasst.”
,,Wie bitte? Wissen Sie wie spät es ist? Es tut mir Leid, aber ich habe kein Bett für Sie – es geht nicht.”
,,Könnte ich denn nicht auf dem Boden schlafen?… Guck’ mal…”, er öffnete seine Plastiktüte, ,,ich habe sogar einen Karton Milch mit. Ich brauche nicht mal was zu essen.”Gesicht-Jesu

Was sollte ich tun? Ich kann doch nicht einfach einen Fremden in mein Haus hereinlassen. Jemanden, den ich überhaupt nicht kenne. Wenn ich gewüsst hätte, dass es Jesus war, dann wäre es kein Problem gewesen. Ich hätte mich sogar gefreut, ihn als Gast bei uns zu haben – aber ich habe ihn nicht erkannt.
,,Wie kann ich diesen Mann bloß loswerden?”, fragte ich mich im Stillen.
,,Seien Sie mir nicht böse”, sagte Jesus, ,,es war ja nur eine Frage.”
Da kam mir eine Idee: ,,Kommen Sie, ich fahre Sie nach Hause.”

 

 

Unterwegs bedankte Jesus sich bIMG_4060ei mir. Er meinte, dass mein Auto ihm gefiele und fragte mich, ob ich das Formel-1-Rennen heute gesehen hätte. Ich muss vorsichtig sein, dachte ich mir, ich will nicht zu freundlich sein. Ja, ich wollte diesem Fremden helfen, aber ich wollte ihn auch los werden, sonst würde er jede Woche bei mir klingen. Ich bin schließlich kein Taxiservice. Das hier ist eine Ausnahme. Das muss er verstehen. Als wir vor seinem Haus ankommen, wendet sich Jesus mir zu:

,,Sie sind ein guter Mensch”, sagt er und bedankte sich noch einmal. ,,Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen”, sagt er beim Aussteigen.
,,Danke, gleichfalls”, antworte ich, als sich seine Tür schließt.

Auf der Heimfahrt roch es in meinem Auto nicht nur nach Alkohol und ungewaschenen Kleidern, es stank. ,,Mein Gott!”, dachte ich – aber ich habe ihn nicht erkannt.

 

Jesus Christus sagte:

,,Was ihr getan habt einem von diesen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan…

Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.”

(Matt. 25,40-45)

 

Blessings,

Barry

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Ich bin Evangelist, aber…

Woran denkst du, wenn du das Wort ‘Evangelist’ hörst? Sind das positive Bilder, die entstehen, wenn du Worte wie Evangelist oder Evangelisation hörst? Denkst du vielleicht an Billy Graham, den alten Prediger aus den USA? Oder vielleicht an Jimmy Swaggart und andere Tele-Evangelisten aus dem Fernsehen, mit ihren großen Kirchen, großen Gehalten und Jesus-unähnlichem Luxusleben? Vielleicht aber denkst du an eine Veranstaltung in der Kirche oder im Zelt, wo ein Evangelist gepredigt hat, und die Liebe Gottes wurde dir zum ersten Mal in deinem Leben richtig klar?

Wahrscheinlich werden die wenigsten von euch beim Hören des Wortes ‘Evangelist’ an Technologiefirmen gedacht haben. Aber wo viele Kirchen und Gemeinden in den letzten Jahren tendiert haben, sich von ‘Evangelist’ und ‘Evangelisation’ zu distanzieren, haben Techologie-Riesen wie Apple und Microsoft keine Scheu, diese Begriffe zu verwenden. (Was dann wiederum von den o.g. Gegnern dieser Begriffe in der Kirche als Bestätigung gesehen wird!) Es stimmt aber – Patric Boscolo, zum Beispiel, ist Evangelist bei Microsoft-Deutschland und Apple hat seit Jahren einen Chief-Evangelist.

Ich bin auch Evangelist. Nicht aber für eine Technologiefirma, sondern für meine Kirche. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mit dem Begriff ‘Evangelist’ zwei Probleme habe. Erstens, stört es mich, dass so ein ‘christlicher’ Begriff wie ‘Evangelist’ (s. Epheser 4,11) mehr Akzeptanz in der Wirtschaftswelt findet, als in vielen Kirchengemeinden. Verrückt, oder? Ver-rückt, oder? Und zweitens – und bestimmt Grund des ersten Problems – sehr viele Christen (und Nichtgläubige) haben keine Ahnung, was ein wahrer Evangelist (im neutestamentlichen Sinne) ist! Ganz einfach – sie haben ein falsches Bild im Kopf und deswegen reagieren sie allergisch und wollen nichts mit Evangelisten und Evangelisation zu tun haben. Sie haben vielleicht mit so genannten ‘Evangelisten’ schlechte Erfahrungen gemacht: Leute, die sie konvertieren bzw. missionieren wollten; Leute, die ihnen schlechtes Gewissen machen wollen; Leute, die besser wissen und zu ihnen predigen wollen; Leute, die etwas verkaufen wollen; Leute, die einfach stören und nerven.

Ähnlich wie manchen Leuten, die ich diese Woche begegnet bin.

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Ich bin im Urlaub in Sardinien. Ich liebe es am Strand zu liegen, ein Buch zu lesen und mich einfach auszuruhen. Aber es kommen alle paar Minuten Verkäufer vorbei, die mir etwas verkaufen wollen. Ich lehne nett ab, bedanke mich und zeige, dass ich kein Interesse habe. Zehn Minuten später sind sie wieder da und fragen, ob ich einen Hut oder eine Sonnenbrille kaufen will. Ich weiß nicht, ob ich mehr darüber genervt bin, dass sie mich stören, oder über die Tatsache, dass sie mich stören, obwohl sie sehen, dass ich eine Sonnenbrille und einen Hut schon trage. Sind meine wirklich so schlecht?!

Als ich mich in die Sonne wieder hingelegt habe, habe ich mich gefragt, ob wir Christen nicht auch manchmal so nervig sind, wenn wir versuchen, Menschen von unseren Glauben zu überzeugen. Zu oft sehen wir das Evangelium, den Glauben an Jesus, als eine Produkt, die wir ‘verkaufen’ müssen. Zu oft glauben Christen, dass wir verpflichtet sind, unseren Glauben mit anderen zu teilen. Und wir nerven (oder wir meiden das Thema ganz). Leider. Die christliche Botschaft ist aber keine Produkt! Das Evangelium (deutsch: ‘Gute Nachricht’) hat nichts mit verkaufen und vermarkten zu tun. Es gibt auch kein ‘Muss’, keinen Druck, keinen Zwang. Der christliche Glaube hat aber alles mit Teilen zu tun. Es hat mit Befreiung und Erlösung zu tun. Es hat mit Vergebung und Hoffnung zu tun. Mit Beziehung, mit Frieden, mit dem Sinn des Lebens zu tun. Es hat auch mit Umdenken, Umkehr und Neu-Beginn zu tun. Die christliche Botschaft ist gute Nachricht, die ich gern mit anderen teile. Ohne zu nerven. Ohne alles besser wissen zu wollen. Immer bereit, meinem Gesprächspartner zu zuhören. Seine Geschichte ist mir auch wichtig, nicht wahr?

Blessings

Barry

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Wellen verursachen, aber richtig!

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Ich bin zur Zeit mit meiner Frau und unseren zwei guten Freunden im Urlaub in Sardinien. Wir haben ein Apartment an der Ostküste der Insel gemietet – strandnah, stadtfern.

Es ist Sonntag, aber wir gehen heute nicht in die Kirche, vor allem weil es keine Kirche in der Nähe gibt. Aber auch weil wir nichts verstehen würden – wir können kaum Italienisch. (Nebenbei bemerkt : ich frage mich, wie viele Menschen jeden Sonntag dasselbe sagen, wenn sie überlegen, ob sie einen Gottesdienst besuchen?)

Heute feiern wir selber Gottesdienst – zu Viert. Schlicht, einfach. Wir beten, wir genießen eine Mahlzeit und Tischgemeinschaft miteinander. Wir lesen Gottes Wort und tauschen unsere Gedanken darüber aus. Zum Beispiel, wie können wir einen guten Einfluss auf unsere Umwelt haben?

Den Gedanken dazu hatte ich gestern als wir eine Wanderung die Küste entlang gemacht haben. An einer Stelle haben wir Pause gemacht und ein großes Kreuzfahrtschiff vorbeifahren sehen. Ungefähr fünf Minuten später  erreichten uns das Kielwasser vom Schiff. Die Wellen waren größer als sonst und schoben das Treibholz noch ein Stückchen weiter den Strand hinauf. Das Schiff selber kam natürlich nie in die Nähe des Strandes. Als sein Kielwasser unsere Stelle erreicht hat, war das Schiff schon außer Sichtweite. Die Wellen waren das Zeichen, dass das Schiff da war. Das Schiff hat Spuren hinterlassen. Kielwasser.

Wir Menschen hinterlassen auch Spuren im Alltag. Wir haben einen Einfluss auf andere, auf unsere Umgebung, auf unsere Welt. Vielleicht nur wie das Kielwasser eines kleinen Bootes oder doch eines großen Kreuzfahrtschiffes. Eins aber ist klar – wir gehen durch den Alltag nicht ohne unsere Spuren zu hinterlassen. Darin liegen sowohl Chancen als auch Gefahren. Wir können Gutes bewirken, einen positiven Einfluss auf unsere Umgebung haben. Oder wir können Wellen verursachen im negativen Sinne. Ich möchte Positives bewirken. Die Spuren, die ich heute hinterlasse, sollen Gutes bewirken: Freude bringen; ein Ermutigendes Wort; eine helfende Hand, erbauend, segnend, liebend sein. (So hilf mir Gott!)

Das sind die Gedanken, die mich in meinem “Gottesdienst” heute beschäftigen. Vielleicht bewirken diese Worte etwas Positives auch in dir?  Wäre schön, wenn unsere Aktionen nicht nur Wellen verursachen, sondern auch Kreise ziehen.

Sonnige Grüße aus dem Urlaub.

Blessings

Barry

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