Christen nerven mich!

Christen nerven mich.

Beim Besuch des heutigen Gottesdienste ist mir dies wieder bewusst geworden. Ja, ich weiß, ich hätte mich eigentlich auf den Text des Liedes, das wir gerade im Gottesdienst gesungen haben, konzentrieren müssen. Als Pastor rege ich mich immer wieder auf, dass die Leute die Lieder nicht mit ganzem Herzen singen. Aber heute als normalsterbliche Gottesdienstbesucher, unter den ‘Zuschauern’ so zusagen, merke ich, dass das nicht immer so einfach ist.  Ich gebe es zu, meine Gedanken sind beim Singen des Liedes abgewandert, nein, gepilgert möchte ich sagen. Sie sind auf Pilgerreise gegangen und  – ja, so war es. (Das passt besser, als zu zugeben, dass das Lied mich gelangweilt hat.) Und so wie es bei einer Pilgerreise gehört – ja, auch eine gedankliche Pilgerreise –  kamen sie mit neuen Erkenntnissen zurück, nämlich, dass Christen mich nerven.

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Lass mich erklären.

Jede Mutter und jeder Vater weiß, wie es ist, im Gottesdienst mit einem Baby bzw. Kleinkind zu sitzen. Die Eltern hoffen und beten, dass ihr Kind die ganze Zeit durch die Predigt schläft und nicht anfängt, unruhig zu werden. (Komischerweise hofft unser himmlischer Vater, dass seine Kinder durch die Predigt nicht schlafen, sondern im Gewissen und Geist unruhig werden!) So bald ein Baby anfängt zu weinen oder typische Baby-Geräusche (ich spare euch die Einzelheiten) zu machen, brechen die Eltern oft in Schweiß aus. Sie werden selber sehr unruhig, weil ihr Kind den Gottesdienst ’stört’.

Fakt aber ist – das Kind stört den Gottesdienst nicht. Es stört auch Gott nicht – er freut sich, wenn Eltern mit Kindern in sein Haus kommen. Nein, lasst uns ehrlich sein – das unruhige Kind stört die Gottesdienstbesucher! Es stört uns. Wir Christen sind genervt. Wir sagen es aber meistens nicht mit Worten. Blicke genügen.

Traurig, ich weiß.

Ich möchte aber anderseits nicht den Eindruck geben, dass ein Gottesdienst mit vielen unruhigen, heulenden Kindern die perfekte Sonntags-Versammlung wäre. Lasst uns wieder mal ehrlich sein – Kinder können nerven! Das aber können auch andere Gottesdienstbesucher. Meine Pilgergedanken im Gottesdienst gingen weiter. Ich habe angefangen, über die Leute im Gottesdienst, die mein Gottesdiensterlebnis das eine oder andere Mal gestört bzw. mich genervt haben, nachzudenken. Zum Beispiel:

– der ältere Herr, der Probleme mit seinem Hörgerät immer wieder bekommt. Eines der nervigsten Geräusche im Gottesdienst ist das Pfeifen und Piepsen von Hörgeräten, aber bis jetzt habe ich keine Gemeinde gefunden, die ihre Schwerhörigen bittet, im Nebenraum hinter Glasfenstern zu sitzen, wo sie keinen mehr stören!

– die Frau, die ständig zum unpassendsten Moment im Gottesdienst hustet: “Liebe Brüder, der Männer-Stammtisch findet in der …*Husten* statt”; “Wenn du in den Himmel kommen willst, musst du unbedingt…*Husten*”; “Gott hasst Homo…*Husten*”

– der Typ hinter mir, der beim Lieder-Singen immer zweite Stimme singt. Der bringt das auch. Es klingt richtig cool. Nur, er bringt mich durcheinander. Ich kann die Melodie des Liedes selber nicht richtig singen, weil ich von der Harmonie-Stimme hinter mir ‘gestört’ werde. Das Ergebnis? Ich singe eine peinliche schräge Melodie, die irritierte Blicke meiner Nachbarn auf der Kirchenbank ernten. Wieso guckt ihr mich an?! Der Typ hinter mir ist schuld!

Christen nerven mich. Und, ich gebe auch zu, ich nerve Christen. (Übrigens auch Menschen anderer Religionen, die das Vergnügen haben, mich zu kennen.) Aber es ist einfacher, den Fehler in den anderen zu sehen, als unsere eigenen. Wir sind schnell dabei, die anderen als Störfaktor zu sehen, obwohl in Wirklichkeit es keinen gibt, der nicht ’stört’.

Also, das nächste Mal, wenn ein Kleinkind dich im Gottesdienst stört, schau schnell um dich herum, bevor du anfängst zu meckern. Wenn du genau hinschaust, findest du sicher ein paar andere Typen, die auch ganz schön nerven können. Und dann zum Schluss, gerade bevor du dich wunderst, warum du einen Gottesdienst mit solchen nervigen Typen überhaupt feiern willst, nimm dein Smartphone aus der Tasche. Stelle die Kamera so ein, dass dein eigenes Gesicht auf dem Display zu sehen ist, und schau genau hin. Dieser Typ, den du ansiehst, kann genauso nerven und stören und irritieren und Unruhe verbreiten!

Du wirst aber ein großes Stück Heil erleben, wenn du gerade in so einem Augenblick begreifst, dass unser himmlischer Vater seine ’nervigen’ Kinder unendlich liebt. Das ist Gute Nachricht, nicht wahr?

Gerade bevor der Gottesdienst heute früh zu Ende ging, gingen meine sogenannte Pilgergedanken auch zu Ende. Und ich merkte – der Geist Gottes ist auch einer, der im Gottesdienst ablenkt und ’stört’. Sicher würden solche Störungen mir gut tun.

Blessings,

Barry

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4 Gedanken zu „Christen nerven mich!

  • 7. Juni 2015 um 21:42
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    Gott hasst homo…genisierte Milch? Ich finde, da darf sie ruhig husten. Das weiß man doch 😉

    Antwort
    • 8. Juni 2015 um 9:31
      Permalink

      Danke Zoe. Ich habe eher an Homophobie gedacht, aber dein Vorschlag ist auch interessant 😉
      Blessings, Barry

  • 10. August 2014 um 21:19
    Permalink

    Klar, nicht nur die Kids nerven, sondern auch die Oma, die mit dem Bonbonpapier raschelt und andere. Am besten alle hinter die Scheibe. 🙂

    Antwort
  • 10. August 2014 um 19:54
    Permalink

    Danke! .. Justament gestern habe ich nur die Hälfte der Trauzeremonie meiner Cousine mitbekommen weil ich -wiedereinmal- die Kirche verlassen musste, da mein guter lieber sohn(ein jahr) so laut mit Gott spricht, dass er selbst die Orgel übertönt. Witziger Weise habe ich mich erst hinnterher erinnert, dass es mich bei meiner eigenen Trauung kein bisschen gestört hat dass Kleinkinder “erzählt” oder “gebrüllt” haben. Schade, zu spät gemerkt, denn sonst wäre ich sicher bissele ruhiger gelieben.

    Antwort

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